pogona.ch /Die häufigsten Haltungs- und Zuchtfehler

Zu wenig Lebendfutter für Baby-Bartagamen

Der Heimchenbedarf von jungen Bartagamen wird vor allem in den ersten Wochen oft unterschätzt. Als Faustregel für die ersten Monate gilt, lieber zuviel wie zuwenig füttern. In dieser Zeit wachsen sie sehr schnell und brauchen dementspechend viel Eiweiss und Kalzium.
Die Folgen können recht drastisch sein. Kalziummangel sieht man daran, dass, wenn man sie auf den Rücken dreht, sie sich nicht mehr umdrehen können.

è    Bis zu einem Alter von zwei Monaten verfüttern wir mehrfach am Tag so viele kleine Heimchen, wie sie fressen können. Zusätzlich stellen wir ihnen ein Schüsselchen mit getrockneten Flusskrebsen, kleinen gekochten Heimchen aus der Dose oder Leguanfutter hin. So kommen auch die langsameren Babys an eiweissreiches Futter.

è    Wir bestäuben alle Futtertiere mit einer Kalzium-Vitaminmischung (vier Teile NEKTON MSA® und ein Teil NEKTON Rep®), zusätzlich bieten wir den Bartagamen Kalziumkies oder gehackte Sepiaschalen in einem Schüsselchen an.

Als grobe Richtlinie für die Futtermenge gilt, dass eine junge Bartagame dann genug frisst, wenn sie regelmässig zunimmt und ihr Schwanzansatz (dort sitzt der Fettspeicher) schön rund und dick ist.

Unverträgliches Futter für Baby-Bartagamen

Maden und Larven (oft auch Würmer genannt) aller Art, sind viel zu fetthaltig und können für die Kleinen tödlich sein. Ausserdem sollte auf Efeu und andere giftige Pflanzen im Terrarium verzichtet werden.

Zuviele Bartagamenbabys in einem Terrarium

Wenn zu viele junge Bartagamen in einem Terrarium gehalten werden kann es passieren, dass sie ihre Artgenossen anknabbern und schwer verletzen. Das machen sie meistens dann, wenn sie zu wenig Futter bekommen. Wir haben da schon ganz hässliche Verletzungen, wie abgebissene Schwänze und Gliedmassen sowie schwere Kopfverletzungen in verschiedenen Zoohandlungen, gesehen (brrrrr...).

Tödliche Fallen im Terrarium

Zu tiefe Wassernäpfe können kleinen Bartagamen zum Verhängnis werden, wenn sie darin einschlafen und ertrinken.

è    Immer flache Schalen verwenden, die die Kleinen einfach verlassen können.

è    Wenn das Licht aus ist, kontrollieren, ob keine Bartagame im Wassernapf schläft.

Schwere Gegenstände, unter die sich die Bartagamen graben können, können diese zerquetschen. Man glaubt gar nicht, in wie kleine Spalten sich Bartagamen zwängen können.

è    Alle schweren Gegenstände direkt auf den Boden des Terrariums stellen und nicht auf den Sand.

Kein UV-Licht im Terrarium oder UV-Licht durch eine Scheibe

Bartagamen brauchen UV-Licht, damit ihr Körper Vitamin D3 produzieren kann. Dieses Vitamin hilft beim Einlagern des Kalziums in die Knochen. Wenn keine geeigneten UV-Lampen im Terrarium sind, können sie brüchige Knochen und Verformungen bekommen.

è    Glas filtert UV-Licht, daher immer die UV-Lampe direkt im Terrarium befestigen und nicht obendrauf stellen.

Zu kleine Terrarien?

Leider werden immer noch viele Bartagamen in zu kleinen Terrarien gehalten. Wir empfehlen für eine oder zwei Bartagamen eine Mindestgrösse von 150x60x100 cm (LxBxH), damit sich die Tiere gut bewegen und klettern können. Ist das Terrarium zu klein

è    können sich die Bartagamen nicht gut bewegen und drohen zu verfetten

è    können sich zwei Männchen nicht ausweichen und eines kann sich unterdrückt fühlen und an Stress sterben (siehe unten)

è    können trächtige Weibchen nicht ungestört ihre Eier ablegen (siehe unten)

Mehrere Männchen, die sich nicht ausweichen können

Männchen sind sehr territorial. Wenn man mehrere Männchen in einem Terrarium halten möchte, sollten sich die Tiere aus dem Weg gehen können.

è    Wir haben in der Mitte unseres Terrariums ein Handtuch als Sichtschutz aufgehängt. So kann sich ein Männchen in die andere Hälfte des Terrariums zurückziehen, ohne das andere sehen zu können.

Legenot bei Weibchen

Jeden Frühling sterben viele Bartagamenweibchen an Legenot, weil sie ihre Eier nicht ablegen können. Damit das Weibchen seine Eier ablegen kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein

è    ein ca. 20 cm hoher, feuchter Sandhaufen (ca. 25 kg Sand)

è    einige ungestörte Stunden, wo es von keinem anderen Tier gestört wird

Ausserdem muss das Weibchen in guter körperlicher Verfassung sein.

è    Während der Tragzeit viel eiweisshaltiges Futter anbieten (Futterinsekten, tote Babymäuse) da sie sonst zur Produktion der Eier Proteine aus ihren Muskeln abbaut.

è    Viel Kalzium anbieten (z.B. Kalzium Kies oder Sepiaschalen), da sie sonst zur Produktion der Eierschalen Kalzium aus ihren Knochen abbaut.

Futtertiere können sich verstecken

Heimchen und Grillen verstecken sich gerne in allen Ritzen, die ihnen zugänglich sind. Spalten zwischen Sand und Steinen oder Ästen, Hohlräume hinter einer Rückwand, Holzritzen und Poren in Tuffsteinen sind als Verstecke sehr beliebt. So können sie sich tagsüber vor den Echsen verbergen und kommen nur in der Nacht hervor. Dadurch erwischen vor allem junge, jagdunerfahrene Tiere zuwenig Futter.
Um dies zu verhindern gibt es zwei Möglichkeiten

è    Futtertiere nur in einem Futterbereich anbieten, den die Insekten nicht verlassen können.

è    das Terrarium so einrichten, dass sich die Heimchen nirgends verstecken können, also alle Ritzen und Hohlräume abdichten und auf eine unübersichtliche Einrichtung verzichten.

Missbildungen durch Inzucht

Missbildungen und Erbkrankheiten sind bei jungen Bartagamen immer häufiger anzutreffen.

è    Bei der Auswahl der Elterntiere sollte darauf geachtet werden, dass die künftigen Eltern keine Geschwister sind.

© by Alex und Sabine 18.11.2002

copyright © by ArW, SN 18. 11. 2003
updated by ArW, SN 09. 02. 2003